Alles Wissenswerte zur freien Trauung

Sich trauen, wo und wie man möchte – persönlich, authentisch und höchst individuell: Das wünschen sich Brautpaare für ihren besonderen Tag. Eine freie Zeremonie macht’s möglich! Wir haben mit der Berliner Traurednerin Dr. Silke Andrea Schuemmer gesprochen.

1. Für wen eignet sich eine freie Trauung?
„Für alle, die neben dem staatsrechtlichen Akt auf dem Standesamt eine emotionale und persönliche Zeremonie möchten und für die eine kirchliche Trauung nicht in Frage kommt. Das können nicht-religiöse, geschiedene, binationale oder homosexuelle Paare sein. Auch für bereits verheiratete Paare, die ihr Ehegelübde erneuern möchten, ist es eine schöne Möglichkeit, das bisherige gemeinsame Eheleben zu feiern.”

2. Welche Vorteile gibt es gegenüber standesamtlichen und kirchlichen Trauungen?
„Eine freie Trauung ist völlig individuell. Ob Sunset-Wedding im Abendrot, Mitternachts-Trauung unter Vollmond oder morgendliches Jawort mit anschließendem Brunch: Das Brautpaar kann Zeit und Ort selbst bestimmen. Auch inhaltlich lässt sich die freie Trauung individuell gestalten.“

3. Wie ist eine freie Trauung aufgebaut?
„Jede Zeremonie ist anders. Sie könnte beispielsweise so ablaufen: Musik, Einzug der Braut, Begrüßung, Anzünden der Hochzeitskerze, Rede, Musik, Rituale, Eheversprechen mit Ringtausch, Unterschreiben, Verabschiedung, Auszug.“

4. Welche Location ist geeignet?
„Der Trauort sollte vor allem ruhig sein, damit die Akustik stimmt. Findet die Hochzeit mitten im Sommer statt, empfehle ich, auf Schatten zu achten und notfalls Sonnenschirme zu verteilen. In manchen Orten gibt es die Möglichkeit, säkularisierte, also entweihte Kirchen zu buchen. Auch mitten im Kornfeld, auf einem Boot, im heimischen Garten, im Wald, in einer Kunstgalerie oder in einer alten Fabrikhalle kann man sich die Ehe versprechen.”

5. Welche Musik passt am besten?
„Je mehr das Brautpaar mit seinen Liedern verbindet, umso emotionaler wird die freie Trauung. Ein Paar zog gemeinsam zum Hip-Hop-Song ‚My love is like... wo’ von Mya ein, ein anderes zu Wagners ‚Treulich geführt’, gesungen von den Gästen. Es ist sicher ratsam, ein bisschen auf den Text zu achten. ‚I will always love you’ von Whitney Houston ist ein Abschiedssong und Xavier Naidoos ‚Dieser Weg wird kein leichter sein’ vielleicht nicht die perfekte Botschaft.“

6. Wer darf eine freie Trauung abhalten?
„Im Prinzip jeder, da die Berufsbezeichnung ‚Trauredner’ nicht geschützt ist. Theoretisch können Familienangehörige oder Freunde den Part des Redners übernehmen. Aber bei einer Trauung die Fäden in der Hand zu halten und eine funktionierende Dramaturgie zu entwickeln, ist nicht ganz einfach. Auch die emotionale Seite spielt eine Rolle. Wenn der Trauredner mittendrin in Tränen ausbricht, weil seine kleine Schwester heiratet, ist das rührend, für die Zeremonie aber nicht hilfreich.”

7. Wie findet man einen passenden freien Redner?
„Im Idealfall hat man den Redner schon auf einer Hochzeit erlebt und war begeistert. Ansonsten findet man freie Redner im Internet mit Suchbegriffen wie ‚freie’ oder ‚alternative Trauung/Hochzeit’, ‚freie Theologen’ oder ‚Hochzeitsredner’. Wird man in seiner Nähe nicht fündig, kann es helfen, beim Humanistenverband nachzufragen oder – auch wenn es morbid klingt – bei Bestattungsinstituten, die oft mit Rednern zusammenarbeiten und vielleicht jemanden empfehlen können.”

8. Worauf sollte man bei der Auswahl achten?
„Die Sympathie muss stimmen – und das Konzept. Wer religiöse Elemente in die Trauung integrieren möchte, ist mit einem freien Theologen oder einem Pastor im Ruhestand gut beraten. Natur-Rituale bietet wahrscheinlich eher eine esoterisch orientierte Rednerin an. Möchte man eine Trauung in zwei Sprachen, braucht man einen Redner mit den entsprechenden Kenntnissen.“

9. Wie läuft die Vorbereitung ab?
„Jeder Trauredner arbeitet unterschiedlich. Nach einem unverbindlichen und kostenfreien Kennenlern-Gespräch beantworten meine Paare einen ausführlichen Fragebogen zu ihrer Geschichte, ihren Plänen und ihren Gefühlen füreinander. Bei einem zweiten Treffen stellen wir die individuelle Zeremonie zusammen.“

10. Muss man vorher standesamtlich heiraten?
„Nicht unbedingt, aber es heißt ja immer: ‚Das Schönste kommt zum Schluss’. Eine freie Trauung ist so emotional, dass man sich diesen Höhepunkt aufheben sollte. Ein Paar kann auch ohne Standesamt versprechen, sich ein Leben lang zu lieben, und für einander zu sorgen, und das mit einem rauschenden Fest feiern. Dann ist es aber keine Ehe im rechtlichen Sinne.“

11. Wie kann man seine Gäste in die Zeremonie integrieren?
„Je mehr Familie und Freunde einbezogen werden, desto emotionaler und schöner wird die Trauung. Während Gäste ein Gedicht vorlesen oder gute Wünsche vortragen können, backen Omas gern das Hochzeitsbrot und Väter freuen sich, wenn sie den Brautbecher einschenken. Manchmal bringen Gäste auch ihre Talente ein: Sie spielen Cello, singen, stellen eine Collage vor oder runden die Zeremonie ab, indem sie Blütenblätter streuen, Seifenblasen pusten oder mit Wedding-Bells läuten.”

12. Welches Equipment braucht man?
„Jedes Ritual erfordert ein anderes Equipment. Der Trauredner geht mit dem Paar jeden einzelnen Punkt durch und schreibt auf, was dafür benötigt wird. Das Equipment besorgt das Paar selbst, damit alle Details zum Farb- und Stilkonzept der Hochzeit passen.”

13. Wie teuer ist eine freie Zeremonie?
„Das richtet sich nach dem Angebot. Eine vorgefertigte Zeremonie bedeutet weniger Aufwand als ein komplett individuelles Konzept, das schon mal mit 15 bis 20 Stunden Arbeit veranschlagt werden kann. Die Preisspanne reicht von 250 bis 1200 Euro. Wichtig für das Brautpaar ist es, auf versteckte Kosten wie Kilometergeld oder Miete für eine technische Ausrüstung zu achten.”

Über die Traurednerin
Silke Andrea Schuemmer ist promovierte Kunsthistorikerin, freie Autorin und Traurednerin in Berlin und hält auch Vorträge über die Kulturgeschichte der Hochzeit. Im Netz ist sie unter www.hoch-zeit.com zu finden.

Die Wedding-Experten der Fotostrecke

Fotografin: Elena Engels
Location: Holland Schewening
Dekoration & Floristik: Shabby Chic Events
Brautschmuck: La Chia
Haare & Make-up: Hairstyle by Cicek
Anzug: Strodel & Jaeger
Fliege: Der feine Herr
Freie Trauungen: Nina
Papeterie: Traufabrik
Kategorie:  Organisation & Planung Keywords: Hochzeit, Trauung, Zeremonie, Standesamt, Kirche, Freie Zeremonie, Traulocation
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