Alles zur gleichgeschlechtlichen Ehe

(Stand: November 2017) Die eingetragene Lebenspartnerschaft verkörperte lange Zeit die einzige Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare, ihre Bindung amtlich zu machen – der Bund der Ehe jedoch blieb ihnen verwehrt. Am 1. Oktober 2017 war es soweit: Das Gesetz über die Ehe für alle entfaltete Rechtswirksamkeit. Fortan können daher auch homosexuelle Paare in den Genuss derselben Rechte und Pflichten, wie sie die eheliche Verbindung mit sich bringt, kommen. Welche einschneidenden Änderungen damit einhergehen, erfahren Sie im nachfolgenden Text.

„Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen“ – die Ausweitung der klassischen Ehe auf das gleichgeschlechtliche Bündnis ist künftig im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) nachzulesen. Bereits am Tage des Inkrafttretens der neuen Regelung ließen sich elf homosexuelle Paare in Berlin trauen. Deutschland ist hierbei allerdings nicht als Pionier in Sachen „Ehe für alle“ anzusehen: Die Niederlande führte bereits im Jahre 2001 die geschlechtsunabhängige Vermählung ein. Seitdem traten 20 weitere Staaten in ihre Fußstapfen.

Die Umwandlung der eingetragenen Lebenspartnerschaft
Eingetragene Lebenspartnerschaften, welche zeitlich vor dem Gesetz der Ehe für alle geschlossen wurden, bestehen weiter fort, es sei denn, es wird eine sogenannte „Umwandlung“ angestoßen. Es bedarf also eines Aktivwerdens beider Partner, andernfalls bleibt die rechtliche Lage unverändert; die mit einer Ehe einhergehenden erweiterten Privilegien kommen dann nicht zu Tragen. Um die vorhandene Lebenspartnerschaft in eine Ehegemeinschaft zu überführen, müssen beide Partner einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Standesamt einhändigen. Hierzu sind die folgenden Dokumente erforderlich:

  • Reisepass bzw. Personalausweis
  • Bestehende Urkunde über die Lebenspartnerschaft
  • Erweiterte Meldebescheinigung
  • Abschrift aus dem Geburtenregister in einfacher Kopie/beglaubigter Abschrift

Ein bestimmtes Formular muss dabei nicht ausgefüllt werden. Für all diejenigen, welche den „schönsten Tag im Leben“ individuell gestalten und einen feierlichen Akt abhalten möchten, besteht die Möglichkeit der Terminvereinbarung zur Umwandlungszeremonie beim Standesamt. Neue Lebenspartnerschaften lassen sich seit dem Stichtag der Ehe für alle nicht mehr schließen.

Schranken der Gleichberechtigung?
Die homosexuelle Ehe geht grundsätzlich mit dem Gewinn derselben ehelichen Rechte und Pflichten einher, wie sie für die Ehepartner unterschiedlichen Geschlechts gelten. Die Partner übernehmen gegenseitige Verantwortung und stehen füreinander ein. Allerdings hat das BGB, was Aspekte der Gleichstellung betrifft, noch eine Leiche im Keller: Der Wortlaut des § 1592 BGB benennt den Ehemann zum Vater im Sinne des Gesetzes desjenigen Kindes, welche seine Ehefrau in die Beziehung hineinbrachte. Wenn Gleiches für lesbische Ehen Anwendung finden soll, so muss die entsprechende Formulierung modifiziert werden.

Was sagen die Kirchen zur Ehe für alle?
Keine Beanstandungen äußerte die Evangelische Kirche in Deutschland. In einigen ihrer Landeskirchen ist es gleichgeschlechtlichen Paaren sogar möglich, sich vor Gott segnen zu lassen. Dennoch bleibt ihnen eine kirchliche Trauungszeremonie (noch) verwehrt. Von katholischer Seite aus wird die Ehe für alle mit deutlich mehr Skepsis aufgenommen. Doch auch hier werden mitunter verhaltenere Meinungen geäußert: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken etwa befürwortete die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer kirchlichen Segnung.

Mit Dank an
Text: Jenna Eatough
Fotos: Wanda Badwal

Weitere Informationen zum Thema Ehe finden Sie auf dem kostenfreien Ratgeberportal www.familienrecht.net, welches vom Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. betrieben wird.
Kategorie:  Finanzen Keywords: Homo-Ehe, Ehe für alle, gleichgeschlechtliche Ehe, Hochzeit, Rainbow Wedding, Standesamt, Kirche
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